Zungenpressen: Wenn die Zunge zur Belastung wird

Zungenpressen

Einige Menschen pressen ihre Zunge unbewusst gegen die Zähne, tagsüber oder im Schlaf. Was zunächst harmlos klingt, kann über Jahre hinweg schwerwiegende Folgen für die Zahnstellung, den Kiefer und das gesamte Kausystem haben. Doch was steckt hinter dieser unscheinbaren Gewohnheit? Und wie lässt sie sich behandeln oder sogar abgewöhnen? In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Ursachen Zungenpressen haben kann, welche Beschwerden auftreten und welche Therapien nachhaltig helfen.

Das Wichtigste vorab

  • Zungenpressen ist eine unbewusste Fehlfunktion der Zunge, die langfristig Zähne und Kiefer schädigen kann.
  • Symptome wie Zahnverschiebungen, Zungenabdrücke, Verspannungen oder Beschwerden im Kiefergelenk sind typisch.
  • Die Angewohnheit tritt nachts oder tagsüber auf, bei Kindern ebenso wie bei Erwachsenen.
  • Ursachen sind vielfältig: von anatomischen Besonderheiten bis hin zu Stress oder falschem Schluckmuster.
  • Eine gezielte Behandlung kann durch Schienen, Zungenübungen oder myofunktionelle Therapie erfolgen.

Definition Zungenpressen?

Unter Zungenpressen versteht man eine unbewusste Parafunktion der Zunge, also eine Fehlfunktion, bei der die Zunge über längere Zeiträume mit Druck gegen bestimmte Bereiche im Mundraum gedrückt wird. Diese Gewohnheit zählt zu den sogenannten orofazialen Dysfunktionen und bleibt oft lange unbemerkt.

Je nach Ausprägung wird die Zunge gegen die Frontzähne, die Seitenzähne oder den Gaumen gedrückt. Dieser Druck kann konstant oder wiederholt erfolgen – etwa beim Schlucken, in Ruhephasen oder im Schlaf. Besonders problematisch ist es, wenn der Druck nachts erfolgt, da die Patienten den Vorgang nicht aktiv kontrollieren können.

Zungenpressen tritt sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auf. Es kann bereits im Milchgebiss beginnen und sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzen. Ohne gezielte Behandlung kann es langfristig zu einer Fehlbelastung des Zahnhalteapparats, zu einer veränderten Zahnstellung und sogar zu Beschwerden im Kiefergelenk führen.

Ursachen

Zungenpressen entsteht nicht aus einem einzelnen Auslöser heraus. Vielmehr handelt es sich um eine multifaktorielle Störung, bei der anatomische, funktionelle und psychische Faktoren zusammenwirken.

1. Anatomische Ursachen

Bei vielen Patienten liegt eine abweichende Zungenform oder Zungenfunktion vor. Die wichtigsten medizinischen Begriffe dazu im Überblick:

FachbegriffErläuterung
MakroglossieVergrößerte Zunge, die im Ruhezustand keinen Platz im Mund findet
HypoglossieVerkleinerte Zunge mit eingeschränkter Beweglichkeit
Hypertone ZungenmuskulaturÜbermäßig starke Muskelspannung, die unkontrolliertes Pressen begünstigt
Hypotone ZungenmuskulaturSchwache Muskulatur, die das korrekte Ruhen der Zunge erschwert

Diese Besonderheiten können angeboren oder durch Entwicklungsverzögerungen erworben sein. Besonders bei Kindern beeinflussen sie maßgeblich das Schluckmuster und die Zungenlage.

2. Zahn- und Kieferfehlstellungen

Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers können das Zungenpressen fördern – oder umgekehrt selbst durch Zungenpressen entstehen. Typische Zusammenhänge:

  • Ein offener Biss bietet der Zunge Raum, sich zwischen die Zahnreihen zu schieben.
  • Wird die Zunge ständig zwischen die Seitenzähne gedrückt, kann ein Tiefbiss begünstigt werden.
  • Kreuzbiss oder Rückbiss verändern die natürlichen Bewegungsräume und können das Pressen fördern.
  • Fehlstellungen erschweren die natürliche Ruheposition der Zunge.

3. Weitere Ursachen

Neben anatomischen und strukturellen Faktoren gibt es auch verhaltensbedingte und funktionelle Auslöser:

  • Milchzahnverlust: Bleibt eine Zahnlücke lange bestehen, kann sich die Zunge dort einnisten – auch nachdem die bleibenden Zähne durchgebrochen sind.
  • Stress und emotionale Anspannung führen bei vielen Menschen nachts zu unbewusstem Zungenpressen, ähnlich wie beim Bruxismus (Zähneknirschen).
    Erkrankungen wie Asthma, Allergien oder eine dauerhaft geöffnete Mundhaltung beeinflussen Zungenlage und Atemmuster.

Folgen von Zungenpressen

Bleibt das Zungenpressen über längere Zeit unbehandelt, kann es zu deutlichen Veränderungen im Mundraum kommen. Die wiederholte mechanische Belastung wirkt sich negativ auf die Zahnstellung, das Kiefergelenk und den gesamten Zahnhalteapparat aus.

Typische Folgen sind:

  • Zahnverschiebungen: Besonders die Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer sind betroffen. Durch den dauerhaften Druck kippen sie nach außen oder verschieben sich im Zahnbogen.
  • Zungenimpressionen: Bei längerem Pressen entstehen sichtbare Abdrücke an den Seitenrändern der Zunge.
  • Zahnlockerungen: Der Zahnhalteapparat wird durch den ständigen Druck überlastet, es kommt zur erhöhten Beweglichkeit von Zähnen oder im Extremfall zu Zahnverlust.
  • Verspannungen der Kaumuskulatur: Die muskuläre Fehlbelastung kann Beschwerden in der Kaumuskulatur und im Kiefergelenk hervorrufen, teils mit Ausstrahlung in Nacken und Schulter.
  • Beeinträchtigte Schluckfunktion: Ein gestörtes Schluckmuster wirkt sich negativ auf die gesamte orofaziale Muskulatur aus, oft verbunden mit funktionellen Sprachstörungen.

Wird das Zungenpressen nicht erkannt und therapiert, können sich die Folgen verfestigen, insbesondere im bleibenden Gebiss oder im Erwachsenenalter.

Zungenpressen abgewöhnen

Auch wenn es sich beim Zungenpressen um eine hartnäckige Gewohnheit handelt, sie lässt sich durch gezielte Maßnahmen dauerhaft verändern. Entscheidend ist, dass die Ursache der Parafunktion erkannt und gezielt behandelt wird.

Der erste Schritt ist eine Bewusstmachung: Viele Betroffene bemerken ihr Verhalten erst dann, wenn sie aktiv darauf hingewiesen werden oder erste Symptome spürbar werden. Eine kieferorthopädische oder logopädische Untersuchung liefert hier wichtige Hinweise auf Zungenlage, Schluckmuster und Muskelspannung.

Hilfreiche Strategien zum Abgewöhnen:

  • Roter-Punkt-Methode: Ein roter Punkt auf dem Handrücken oder dem Spiegel dient als Erinnerungshilfe. Jedes Mal, wenn man ihn sieht, überprüft man aktiv die Zungenposition: Ruhig, locker am Gaumen, ohne Druck.
  • Schlucktraining: Spezifische Übungen fördern das physiologische Schluckmuster und verhindern das Pressen beim Schlucken.
  • Entspannungstechniken: Stressreduzierende Maßnahmen wie Atemübungen oder Muskelrelaxation helfen, nächtliches Pressen zu reduzieren.
  • Myofunktionelle Therapie: In Zusammenarbeit mit spezialisierten Logopäden werden gezielt Zunge, Lippen und Gesichtsmuskulatur trainiert.

Wichtig ist die konsequente Umsetzung im Alltag, nur so kann sich ein neues Muskelmuster etablieren. Je früher die Behandlung beginnt, desto erfolgreicher ist sie.

Behandlung von Zungenpressen

Die Behandlung des Zungenpressens richtet sich nach der individuellen Ursache und dem Schweregrad der Symptome. Ziel ist es, den Druck der Zunge auf die Zähne zu verhindern, die Kaumuskulatur zu entlasten und ein gesundes Schluckmuster zu fördern. In vielen Fällen ist eine Kombination mehrerer Maßnahmen sinnvoll.

1. Schienentherapie

Eine Aufbissschiene, wie sie häufig bei Bruxismus (Zähneknirschen) eingesetzt wird, kann auch beim Zungenpressen eine wichtige Rolle spielen. Sie schützt die Zahnoberflächen, entlastet den Zahnhalteapparat und bringt die Kaumuskulatur in eine entspannte Position. Besonders nachts kann eine solche Schiene das unbewusste Pressen unterbrechen und so Beschwerden im Kiefergelenk lindern.

2. Entspannungs- und Muskelübungen

Gezielte Kiefergymnastik kann helfen, die Muskulatur zu lockern und die Zungenfunktion zu verbessern. Ein Beispiel:

  1. Mehrfach durch den Mund pusten und dabei „blubbern“, das löst Spannung in der Zungen- und Gesichtsmuskulatur.
  2. Danach Mund langsam schließen, Lippen locker aufeinanderlegen.
  3. Die Zunge liegt flach und ruhig am Gaumen.
  4. Die Zähne haben keinen Kontakt und der Unterkiefer bleibt entspannt.

Diese Übung sollte mehrmals täglich durchgeführt werden, besonders morgens und abends.

3. Myofunktionelle Therapie und interdisziplinäre Ansätze

Langfristig ist eine funktionstherapeutische Begleitung oft der wirksamste Weg. In enger Zusammenarbeit mit Logopäden, Physiotherapeuten oder Kieferorthopäden lassen sich Zungenfehlfunktionen gezielt korrigieren. Die Therapie umfasst u. a.:

  • Zungenlage-Training
  • Korrektur des Schluckmusters
  • Verbesserung der Lippen- und Nasenatmung
  • Verhaltenstraining für Ruhephasen (z. B. tagsüber am Schreibtisch)

Je nach Ausgangslage kann auch eine kieferorthopädische Behandlung notwendig sein, etwa bei begleitenden Kieferfehlstellungen oder starken Zahnverschiebungen.

Zungenpressen Behandlung in München bei DENTAL ONE

Bei DENTAL ONE betrachten wir das Zungenpressen nicht isoliert, sondern als Teil eines funktionellen Gesamtbildes. Unsere Spezialistinnen analysieren die Zungenlage, das Schluckverhalten sowie mögliche Fehlstellungen im Kiefer- und Zahnbereich, mithilfe moderner 3D-Diagnostik und gezielter Funktionsanalysen.

Ein zentraler Bestandteil der Therapie kann eine individuell angepasste Aufbissschiene sein, die nicht nur den Druck auf die Zähne reduziert, sondern auch die Kaumuskulatur und das Kiefergelenk entlastet. Bei begleitenden Fehlstellungen setzen wir transparente Aligner-Schienen oder andere unauffällige Apparaturen ein, immer abgestimmt auf Ihre Bedürfnisse und den Schweregrad der Befunde.

Unsere interdisziplinäre Arbeitsweise ermöglicht es, bei Bedarf auch logopädische oder physiotherapeutische Partner in die Behandlung einzubeziehen. Ziel ist es, nicht nur Symptome zu lindern, sondern die Ursachen des Zungenpressens dauerhaft zu beseitigen.

FAQ zum Zungenpressen

Wie erkenne ich, ob ich Zungenpressen habe?

Typische Anzeichen sind Abdrücke an den Zungenrändern, Druck auf die Zähne beim Schlucken oder in Ruhe, Zahnverschiebungen ohne ersichtlichen Grund sowie Verspannungen im Kieferbereich. Eine Untersuchung beim Kieferorthopäden oder Logopäden gibt Gewissheit.

Ist Zungenpressen gefährlich für die Zähne?

Ja. Durch den dauerhaften Druck kann es zu einer Verschiebung der Zahnstellung, zur Zahnlockerung und sogar zu einem Verlust von Zahnhartsubstanz kommen. Auch das Kiefergelenk und die Kaumuskulatur können beeinträchtigt werden.

Was hilft gegen nächtliches Zungenpressen?

Eine individuell angepasste Aufbissschiene schützt die Zähne und entlastet die Muskulatur. Ergänzend helfen Entspannungstechniken und Schlafhygiene, um nächtliche Parafunktionen zu reduzieren.

Kann ich mir das Zungenpressen selbst abgewöhnen?

In manchen Fällen ja, vor allem bei leichter Ausprägung. Methoden wie die Roter-Punkt-Methode, bewusste Zungenübungen und Atemtechniken können helfen. Bei stärkeren Beschwerden ist jedoch eine myofunktionelle Therapie empfehlenswert.

Wie lange dauert die Behandlung?

Das hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Parafunktion ab. Eine Schienentherapie bringt oft kurzfristige Erleichterung. Therapieprogramme zur langfristigen Umstellung der Zungenlage können sich über mehrere Wochen bis Monate erstrecken.

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