Frau hält nach ihrer Behandlung eine Retentionsplatte und eine Retentionsschiene in den Händen

Nach einer langwierigen und kostspieligen kieferorthopädischen Behandlung wäre es sehr ärgerlich, wenn sich das Behandlungsergebnis wieder in Richtung der ursprünglichen Situation verschieben würde.

Damit Ihr gerades Lächeln nicht irgendwann wieder verschwindet, ist es unerlässlich, eine Art der Stabilisierung nach der aktiven Behandlung anzuschließen. Das kann u.a. mit einer Retentionsschienen und -platten gewährleistet werden. In welcher Form dies möglich ist und wie viele Kosten auf Sie zukommen, erfahren Sie hier:  

Das wichtigste in Kürze:

  • Eine Retentionsschiene ist eine Plastikhülle aus Acrylkunststoff, die sämtliche Zahnkronen eines Kiefers vollständig umschließt.
  • Mit einer Retentionsschiene lässt sich das Behandlungsergebnis nach einer kieferorthopädischen Behandlung stabilisieren.
  • Die Tragedauer bzw. Tragezeit variiert zwischen nur nachts und 24 Stunden täglich.
  • Die Retentionsschiene wird als alleinige Stabilisierungsmethode oder zusätzlich zum festsitzenden Retainer verwendet.
  • Die Kosten für die Retentionsschienen sind privat zu tragen und liegen bei ca. 150 Euro pro Kiefer.

Herausnehmbare Retentionsgeräte

Im Gegensatz zum festsitzenden Retainer, lassen sich herausnehmbare Retentionsgeräte vom Patienten selbstständig in den Mund eingliedern und wieder entfernen.

Bei den herausnehmbaren Retentionsgeräten unterscheidet man zwischen:

  • Retentionsplatten
  • Retentionsschienen

Die Retentionsplatte

Die Retentionsplatte gehört zu den Plattenapparaturen und gilt als gängige Methode zur Stabilisierung des Behandlungsergebnisses. Sie ähnelt optisch stark einer losen Zahnspange. Die Retentionsplatte besteht aus einer Basis aus Kunststoff und wird durch kleine Klammerarme aus Draht an den Zähnen befestigt. Zusätzlich verhindert ein sog. Labialbogen eine Bewegung der Frontzähne nach vorne.

Die Retentionsplatte übt weder Kraft noch Druck auf die Zähne aus und besitzt mit ihren passiven Komponenten lediglich eine Haltefunktion.

Die Retentionsplatte wird hauptsächlich nachts getragen; sollte jedoch, vor allem kurz nach Beendigung der kieferorthopädischen Behandlung, auch einige Stunden tagsüber eingesetzt werden, um das Behandlungsergebnis so stabil wie möglich zu halten und somit eine Zahnbewegung zu vermeiden.

Kostenübernahme der Retentionsplatte

Sie wird von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen und ist somit bei Kindern eine der häufigsten Formen der Retention (englisch: (to) retain= festhalten, stabilisieren). Auch sämtliche Reparaturkosten werden in den ersten zwei Jahren von den Krankenkassen getragen.

Nachteile der Retentionsplatte

Da sie relativ groß und unhandlich ist, ist die Motivation der Patienten nach einer langwierigen Behandlung oft nur noch gering. So landet die Retentionsplatte häufig immer öfter in der Nachttischschublade und die Zähne verschieben sich erneut.

Somit ist es empfehlenswert, eine zusätzliche, festsitzende Stabilisierung mit Hilfe eines Retainers durchzuführen, bzw. auf ein weniger massives, herausnehmbares Gerät, wie z. B. auf eine Retentionsschiene, zurückzugreifen.

Die Retentionsschiene

Die Retentionsschiene ist, neben der Retentionsplatte, ein herausnehmbares, kieferorthopädisches Gerät zur Stabilisierung eines erfolgreichen Behandlungsergebnisses. Sie kann anstelle, oder auch in Kombination mit einem festsitzenden Retainer verwendet werden und verhindert, dass sich die Zähne zurück in die ursprüngliche, suboptimale Position verschieben. Demnach wird ebenso wie bei der Retentionsplatte die Zahnbewegung verhindert.

Herstellung der Retentionsschiene

Wenn die Behandlung abgeschlossen und die feste Zahnspange oder der Aligner aus dem Patientenmund entfernt wurde, wird ein Alginatabdruck angefertigt, der anschließend mit Gips ausgegossen wird. So erhält der Zahntechniker die exakte Situation der Zahnreihen als Gipsmodell. Anschließend wird auf dem Gipsmodell, im Tiefzieh- oder Druckformverfahren, eine Plastikhülle aus einem transparenten Acrylkunststoff hergestellt, die alle Zahnkronen vollständig umschließt. Somit werden die Zähne des Patienten mit dieser Kunststoffschiene in der gewünschten Situation halten kann.

Vorteile der Retentionsschiene gegenüber der Retentionsplatte

  • nahezu unsichtbares Design
  • hoher Tragekomfort durch glatte Oberfläche
  • keine störenden Klammern oder Drähte
  • einfache Handhabung

Retentionsschiene vs. Retentionsplatte

RetentionsschieneRetentionsplatte
ähnelt Anti-Knirscher-Schienen bzw. Tiefziehschienenähnelt losen Zahnspange (optisch auffällig)
besteht aus Acrylkunststoff, der die Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer vollständig umfasstbesteht aus einer Kunststoffbasis, Klammerarmen und einem Labialbogen
keine Drahtelemente 🡪 hoher Tragefomfortwird und spannungsfrei in den Patientenmund eingesetzt
hygienisch und gut zu reinigenKostenübernahme erfolgt durch die gesetzlichen Krankenkassen (auch Reparaturen in den ersten zwei Jahren nach Behandlungsende)
durchsichtig
führt bei Bruximus (Knirschen und Pressen mit den Zähnen) zum Schutz der Zahnhartsubstanz und zur Entspannung des Kiefergelenks

Hintergründe und Behandlungsdauer der Retentionsschiene

Durch eine aktive kieferorthopädische Behandlung wird der gesamte Zahnhalteapparat gelockert. Dies bedeutet, dass Knochen umgebaut, Bänder und Sehnen gedehnt und Muskelfasern verschieden stark beansprucht werden. Nach diesen zahlreichen Umbauprozessen ist es zwingend notwendig, eine Phase der Retention anzuschließen, da sich die Zähne ansonsten in die ursprüngliche Position zurückbewegen können (Rezidiv).

Vor allem bei genetisch bedingten Zahn- und Kieferfehlstellungen ist die Rezidivrate besonders hoch; jedoch wird bei sämtlichen Zahnfehlstellung eine Form der Retention angeraten. In den ersten zwei Jahren nach Behandlungsabschluss ist das stomatognathe System besonders rezidivanfällig.

Doch auch in den Folgejahren kann eine Rückstellung in die ursprüngliche Zahnposition nicht ausgeschlossen werden. Daher wird von vielen Kieferorthopäden eine lebenslange Dauerretention stark angeraten.

Retainer und Retentionsschiene im Vergleich

Vor- und Nachteile des festsitzenden Retainers im Vergleich zur Retentionsschiene

 Feststitzender Retainer  Herausnehmbare Retentionsschiene
Vorteile+ wirkt 24 Std. täglich, da festsitzend
+ innenliegend bzw. an Zahninnenseite befestigt und somit unsichtbar
+ komfortabel
+ erfordert keine Mitarbeit des Patienten
+ kann nicht verloren gehen  
+ kann alleine oder in Kombi mit einem festsitzenden Retainer verwendet werden
+ gut bei sehr tiefen Bissen im Oberkiefer geeignet
+ günstiger als festsitzender Retainer
+ gut bei Patienten mit Bruxismus (Knirschen/Pressen mit den Zähnen 🡪 Schützt Zahnhartsubstanz vor zu hohen Kaukfräften  
Nachteilenicht bei Tiefbissen im Oberkiefer geeignet!
teurer als Retentionsplatte
kein Schutz gegen Bruxismus (Knirschen/Pressen mit den Zähnen)  
herausnehmbar
sichtbar
– erfordert Disziplin des Patienten
Wirkung entsprechend der Verweildauer im Mund

Kontrolle der Retentionsschiene

Viele Praxen kontrollieren die Retentionsschiene sowie den Retainer circa einmal jährlich. Jedoch gibt es auch Kieferorthopäden, die ein engmaschigeres Kontrollintervall von drei bis sechs Monaten anbieten. Bei den Kontrollterminen werden die Retentionsschienen auf den optimalen Sitz auf den Zahnreihen überprüft und ob sich die Zähne noch in der gewünschten Position befinden.

Kosten für die Retentionsschiene und Garantie

Die Kosten für eine Retentionsschiene sind privat zu tragen und betragen pro Kiefer circa 150 Euro. Ob eine Gewährleistung von Seiten des Kieferorthopäden vorhanden ist oder nicht, ist individuell von jeder Praxis abhängig. Gesetzlich liegt keine Gewährleistungspflicht vor. Manche kieferorthopädischen Praxen übernehmen in den ersten ein bis zwei Jahren trotzdem Reparaturen bzw. eine Neuherstellung bei Schäden oder Verlust der Retentionsschiene. Informieren Sie sich hierfür im Vorfeld bei ihrem Kieferorthopäden.

Zahlen die gesetzlichen Krankenkassen?

Leider nein. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen lediglich die Kosten für Retentionsplatten. Die Kosten für eine Retentionsschiene werden nicht getragen.

Zahlen die privaten Kranken- und Zahnzusatzversicherungen?

Ob die privaten Krankenversicherungen für die Kosten einer Retentionsschiene aufkommen ist, wie beim festsitzenden Retainer, tarifabhängig. Auch bei den Zahnzusatzversicherungen ist es tarifabhängig geregelt, ob eine Kostenübernahme erfolgt oder nicht. Deshalb ist es von Vorteil, in den Policen nachzulesen und sich vorab über die Kostenübernahme der Retentionsgeräte zu informieren


FAQ zum Thema Retentionsschiene

Was ist der Unterschied zwischen einem festsitzenden Reatiner und einer Retentionsschiene?

Die Retentionsschiene zählt, zusammen mit den Retentionsplatten, zu den herausnehmbaren Apparaturen zur Stabilisierung eines kieferorthopädischen Behandlungsergebnisses. Sie ist, ähnlich wie eine Anti-Knirscher-Schiene, aus einem transparenten Acrylkunststoff und umschließt die Zahnreihen von Ober- und Unterkiefer von allen Seiten vollständig.

Der Retainer hingegen ist ein festsitzender Klebedraht, der hinter den Zahnreihen von Ober- und/oder Unterkiefer angebracht wird. Er kann nicht vom Patienten selbst eingesetzt oder herausgenommen werden.
Beide Methoden eignen sich alleinig, oder in Kombination miteinander, zur Stabilisierung des kieferorthopädischen Behandlungsergebnisses und verhindern, dass sich Zähne in ihre ursprüngliche, suboptimale Position zurück verschieben (Rezidiv).

Vor allem bei Patienten mit einem tiefen Biss, ist es oft nicht möglich, das Behandlungsergebnis im Oberkiefer mit einem festsitzenden Retainer zu stabilisieren. Aus diesem Grund wird daher von vielen Kieferorthopäden oft auf die Retentionsschiene als eine alleinige, herausnehmbare und dennoch komfortable Lösung zurückgegriffen.

Welche Kosten kommen auf mich zu?

Die Kosten für eine Retentionsschiene sind, wie beim festsitzenden Retainer, privat zu tragen und liegen bei circa 150 Euro pro Kiefer. Ob und wie lange es eine Garantie auf die Retentionsschiene gibt, ist ebenfalls individuell von Praxis zu Praxis geregelt.
Gesetzlich besteht jedoch keine Garantieverpflichtung für kieferorthopädische Praxen; weder für eine Retentionsschiene noch für einen Retainer.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen keine Kosten für eine Retentionsschiene; lediglich Retentionsplatten werden durch die Kassen abgedeckt.

Ob die privaten Krankenversicherungen sowie Zahnzusatzversicherungen die Kosten für Retentionsschienen übernehmen oder einen Anteil bezuschussen, ist tarifabhängig und kann in den Policen nachgelesen werden.